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Lieber Geschädigter, so teuer, wie Deine Fachwerkstatt das Auto reparieren möchte, muss es nicht sein. Ich hab´da eine günstige Werkstatt für Dich. Lass´ Dein Fahrzeug dort reparieren. Mehr als diese Kosten bezahle ich nicht. Viele Grüße, die gegnerische Haftpflicht.

Mittlerweile ist dies Alltag in der Unfallregulierung.

Und so hat der Bundesgerichtshof nun in seinem Urteil am 28. April 2015 zum Aktenzeichen VI ZR 267/14 die Haftpflichtversicherungen ein-, aber nicht völlig ausgebremst:

  1. Der Schädiger kann den Geschädigten gemäß § 254 Abs. 2 BGB auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit in einer mühelos und ohne Weiteres zugänglichen „freien Fachwerkstatt“ verweisen, wenn er darlegt und beweist, dass eine Reparatur in dieser Werkstatt vom Qualitätsstandard her der Reparatur in einer markengebundenen Werkstatt entspricht und wenn er gegebenenfalls vom Geschädigten aufgezeigte Umstände widerlegt, die diesem eine Reparatur außerhalb einer markengebundenen Werkstatt unzumutbar machen würden.

    Unzumutbar ist eine Reparatur in einer „freien Fachwerkstatt“ für den Geschädigten insbesondere dann, wenn sie nur deshalb kostengünstiger ist, weil ihr nicht die (markt-)üblichen Preise dieser Werkstatt, sondern auf vertraglichen Vereinbarungen mit dem Haftpflichtversicherer des Schädigers beruhende Sonderkonditionen zugrunde liegen.

  2. Der Schädiger bzw. dessen Haftpflichtversicherer hat darzulegen und zu beweisen, dass die von ihm benannte „freie Fachwerkstatt“ für die Reparaturen am Fahrzeug des Geschädigten ihre (markt-)üblichen, das heißt allen Kunden zugänglichen Preise zugrunde legt.
  3. Allein der Umstand, dass die fragliche „freie Fachwerkstatt“ mit dem Haftpflichtversicherer in Bezug auf Reparaturen von Kaskoschäden seiner Versicherungsnehmer vertraglich verbunden ist, lässt eine Verweisung auf sie nicht unzumutbar erscheinen.

Also Vorsicht:

Grundsätzlich unzulässig ist das Ansinnen der gegnerischen Haftpflichtversicherungen nicht. Wer dennoch in „seiner“ Werkstatt reparieren lässt, riskiert, auf der Differenz „sitzen zu bleiben“.